BIM2FM: So geht digitales Gebäudemanagement

BIM-Daten im Facility Management wirksam nutzen

Building Information Modeling erleichtert das Planen und Bauen von Gebäuden, aber auch den Betrieb. Allerdings nur unter den richtigen Voraussetzungen. Im Interview erklärt Christian Gavesi, Project Manager bei bbv, welche Hürden bei der Nutzung von BIM-Daten im Facility Management auftreten – und wie die Insel Gruppe diese heute meistert.

04.09.2023Text: bbv0 Kommentare
BIM2FM

Christian Gavesi, mit Building Information Modeling (BIM) werden alle relevanten Daten eines Bauwerks digital erfasst und modelliert. Welche Vorteile hat das für den Lebenszyklus eines Gebäudes?

Dank BIM stehen sämtliche Gebäudedaten allen am Bau beteiligten Personen zentral und aktuell zur Verfügung. Die Koordination zwischen Bauherren, Architektinnen und Planern wird dadurch deutlich einfacher: Planungsfehler und Mängel werden schnell erkannt, Mengenermittlungen und Kostenberechnungen lassen sich direkt am digitalen Modell durchführen und sind für alle ersichtlich. Doch auch im späteren Gebäudelebenszyklus bringt dieser «digitale Zwilling» des Gebäudes klare Vorteile – etwa im Facility Management.

BIM erleichtert also auch den Betrieb eines Gebäudes?

Absolut, denn fürs Facility Management bedarf es dank BIM keiner weiteren Datenerfassung. Alle für die Inbetriebnahme benötigten Daten können dem BIM-Modell entnommen und ins eigene System überführt werden – zum Beispiel in eine Software fürs Computer Aided Facility Management (CAFM). So kann der gesamte Gebäudebetrieb bereits im Vorfeld geplant werden. Umgekehrt stehen die Gebäudedaten und 3D-Modelle für spätere An- und Umbauten zur Verfügung. Der Informationsaustausch ist dank BIM in allen Lebensphasen eines Gebäudes kürzer, schneller und smarter.

Gerade für Spitäler und Kliniken, die heutzutage zunehmend unter Kostendruck stehen, bietet sich damit eine grosse Chance.

Die medizinische Patientenversorgung hängt stark von der Kosteneffizienz eines Krankenhauses ab. Technik, Infrastruktur, Instandhaltung und Energiekosten sind für den reibungslosen Spitalbetrieb kritische Faktoren, ebenso die Patientensicherheit, Brandschutz oder hohe Hygieneanforderungen. Auch hier bieten die mit BIM erfassten Daten grösstmögliche Transparenz über das Gebäude und erleichtern dadurch das Facility Management – Stichwort BIM2FM. Doch nur unter den richtigen Voraussetzungen.

Welche sind das?

Eine grosse Herausforderung fürs Facility Management ist es, an jene Daten zu gelangen, die für den Betrieb tatsächlich relevant sind. Allein schon eine Lüftungsanlage kann im BIM-Modell über mehrere Millionen verschiedene Attribute umfassen. Alle diese Informationen in eine Facility-Management-Software zu überführen, macht keinen Sinn. Darüber hinaus muss die Qualität der Daten sichergestellt sein: Plandaten sind oft unterschiedlich strukturiert und müssen für die Nutzung in einem Bewirtschaftungstool unter Umständen zuerst korrekt aufbereitet werden. Das Business muss also in der Lage sein, selbstständig die Hoheit über die für sie wichtigen Daten zu erlangen und deren Qualität sicherzustellen.

Genau vor diesen Hürden stand auch die Berner Insel Gruppe beim Betrieb des neuen Hauptgebäudes BB12. bbv hat hierzu den sogenannten ServiceHub entwickelt. Wie vereinfacht diese Lösung das Überführen von BIM-Daten ins Facility-Management-System?

ServiceHub ist eine Datendrehscheibe, die einen iterativen, teilautomatisierten Datenaustausch zwischen verschiedenen Ursprungssystemen und dem FM-System des Inselspitals ermöglicht. Dabei bietet die Lösung verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten, um die Granularität der übermittelten Daten für die eigenen Anforderungen festzulegen: Welche Daten werden benötigt? Welche nicht? Welche Informationen können gebündelt und vereinfacht werden? Die Einstellungen im ServiceHub bestimmen Umfang und Detaillierungsgrad der anzuliefernden Daten.

Wie wird die Datenqualität sichergestellt?

Der ServiceHub enthält ein Quality Control Center, das den gesamten Datenaufbereitungsprozess visuell darstellt – von Pflichtfeldern bis zu spezifischen Katalogwerten. Dadurch ist schnell ersichtlich, welche Daten aus dem Ursprungssystem bereits korrekt im Zielsystem erfasst sind, und welche nicht. Versucht man beispielsweise, Katalogwerte aus dem BIM-System zu importieren, die im Facility-Management-System nicht hinterlegt sind, werden diese Daten farblich gekennzeichnet. Im Quality Control Center werden die Daten also überprüft, falls nötig angepasst und anschliessend in die FM-Software überführt.

An welche Anwender richtet sich die Lösung?

Es war von Anfang an unsere Vision, eine Datenmigrationsplattform zu entwickeln, mit der Leute aus dem Business ohne tiefgreifendes IT-Wissen BIM-Daten aufbereiten und fürs Facility Management nutzbar machen können – und für spätere Bauvorhaben den Planern und Architekten zurückspielen können. Mit ServiceHub ist uns das gelungen. Eine solche Lösung gab es meines Wissens bis anhin nicht. Üblicherweise sind IT-Fachkräfte sehr stark in die Bestellung, Aufbereitung und Migration von Gebäudedaten involviert. Mit Lösungen wie dem ServiceHub wickelt das Business diesen gesamten Prozess selbstständig ab und kann die Daten entsprechend seinen Bedürfnissen aufbereiten. Das spart Zeit, anderseits werden die Daten von Fachpersonen und nach deren Vorstellungen aufbereitet und überführt.

Dieser Ansatz ist für künftige BIM2FM-Vorhaben also unumgänglich?

Absolut. Ohne Datendrehscheiben wie dem ServiceHub ist es fürs Business praktisch unmöglich, die schiere Menge an BIM-Daten für die eigenen Facility-Management-Zwecke zu verwalten, zu kontrollieren und zu importieren. Diese Möglichkeit, selbstständig und ohne grosses IT-Know-how Daten in der Tiefe zu beschaffen, wie sie für den Gebäudebetrieb benötigt werden, ist das Novum des ServiceHub.

Der Experte

Christian Gavesi

Christian Gavesi ist Senior Project Manager bei bbv. Er verfügt über langjährige Erfahrung im lateralen Führen von Projektorganisationen, insbesondere im Gesundheitswesen, in der Telekommunikation, im öffentlichen Verkehr und im Versicherungswesen. Er begleitet interdisziplinäre Projekte und berät Kunden ganzheitlich auf dem Weg zu einer hochwertigen Softwarelösung.

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